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Claudine Stauffer kennt das städtische Alterszentrum Brühlgut in Winterthur schon länger. Nach neun Jahren, in denen sie einmal wöchentlich Nachtpikett-Dienst geleistet hatte, begann sie als „Mitarbeiterin Betreuung und Pflege“ in einer Wohngruppe zu arbeiten.
„In diesen zwei Jahren reifte mein Entschluss, die verkürzte Erwachsenenlehre anzupacken: Ich wollte mehr wissen und sicherer werden“, sagt die heute 51-jährige Mutter von zwei erwachsenen Töchtern. Ursprünglich hatte sie eine kaufmännische Lehre absolviert, anschliessend war sie bis zur Gründung ihrer Familie auf einem Verkehrsbüro und in der Zürcher Zentralbibliothek tätig.
„Die Arbeit in der betreuten Wohngruppe entspricht mir“, meint Claudine Stauffer. Als Teil des Teams ist sie für den Alltag von acht Frauen verantwortlich, die psychische Probleme haben. Die familiäre Atmosphäre in der Gruppe gibt ihnen Halt. Motiviert durch die Betreuenden wird zusammen gekocht und gegessen, es werden Spiele gemacht oder Ausflüge unternommen. „Meine Arbeitstage sind interessant, intensiv und ganzheitlich“, sagt Claudine Stauffer: „Ich beobachte viel und nehme Stimmungen wahr. Gibt es Spannungen unter den Bewohnerinnen, versuche ich zu schlichten. Wichtig ist mir auch, dass ich Fröhlichkeit hereinbringe.“ Oft gelinge ihr das. Die Katze und der Hund, die tagsüber mit dabei sind, tragen laut Claudine Stauffer ebenfalls zur guten Stimmung bei. Manchmal bringt sie auch erheiternde Unterhaltung mit, sei es in Form von Zeitungsberichten oder Fernsehsendungen, die ebenfalls gefragt sind.
In ihrem zweiten und letzen Lehrjahr ist sie in der Gruppe wöchentlich an zweieinhalb Tagen anwesend. Während einem Tag besucht sie die Schule, in der übrigen Zeit besorgt sie für den Haushalt. „Mir gefällt, dass ich das, was ich in der Schule lerne, gleich umsetzen kann. Beispielsweise wie man mit Konflikten umgeht, oder wie ich einzelne Bewohnerinnen fördern kann.“ Aus der Gruppe komme auch eine grosse Dankbarkeit und oftmals Freude zurück: „Es ist eine sinnvolle Arbeit“, sagt Claudine Stauffer.
Nach Abschluss der Lehre möchte sie weiterhin in einer Wohngruppe oder bei der Spitex tätig sein. Vielleicht wird sie sich auch zur Sozialpädagogin ausbilden lassen. Die bisherigen Prüfungen sind alle gut gelaufen: „Das gibt mir Selbstvertrauen.“ Nach anfänglicher Überwindung sei nun sogar das Halten von Vorträgen „nicht mehr so schlimm.“ Die jüngere Tochter wird ihre Lehrabschlussprüfung zur gleichen Zeit wie sie ablegen. In ihrem Entschluss, nochmals eine Lehre zu machen, haben sie beide Töchter unterstützt, ebenso ihr Ehemann. Claudine Stauffer erzählt lachend: „Eine gewisse Veränderung der Rollen hat es schon gegeben: Im Haushalt helfen nun alle mit.“
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