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Generalistenmodell: Deborah Oertli

Deborah Oertli ist in Zürich-Affoltern aufgewachsen. Als sie nach der Sek B keine Lehrstelle fand, absolvierte sie in Oerlikon das 10. Schuljahr. Über den Berufsberater hörte sie vom neuen Lehrgang Generalistenmodell, in dem die Fachrichtung jedes Jahr wechselt. „Etwas mit Menschen wollte ich schon immer machen, und gleich drei verschiedene Bereiche kennen zu lernen, schien mir interessant“, erzählt die 19-jährige angehende Fachfrau Betreuung. In ihrem dritten Lehrjahr arbeitet sie derzeit im Stadtzürcher Hort Selnau. Ursprünglich hatte sie die Lehre im Kinderbereich machen wollen. Die Arbeit mit den schon etwas älteren Kindern gefällt ihr zwar, aber sie liegt ihr doch etwas weniger, als sie es sich vorgestellt hatte: „Mit alten oder behinderten Menschen hatte ich viel schneller einen engen Kontakt. Die älteren Kinder sind nicht besonders auf mich angewiesen, sie spielen unter sich. So setze ich mich jetzt zwischendurch auch einfach hin, und beobachte. Das fand ich am Anfang etwas schwierig.“ Am besten gefallen hat ihr das Jahr im Behindertenheim Wagerenhof in Uster. Insbesondere die Arbeit in den Ateliers, wo sie mit den Bewohnerinnen und Bewohnern Nähen, Weben, Filzen und einfachen Schmuck herstellen konnte. „Die ganz kleinen Perlen auffädeln konnten sie sehr gut. Man würde ihnen das gar nicht zutrauen. Eindrücklich ist auch, wie es ihnen gelingt, ohne reden zu können, sich alleine durch die Mimik mitzuteilen. Sie strahlen auch oft eine Zufriedenheit aus, obwohl ihr Leben nicht einfach ist.“ Deborah Oertli hat selber seit Geburt eine leichte Behinderung. Sie trägt an beiden Beinen Schienen bis zum Köchel, die stützend wirken. Berührungsängste mit Behinderten hatte sie nie: „Ich glaube, sie haben mit angenommen. Einzelne haben mich beim Abschied umarmt und auf ihre Art gezeigt, dass sie mich mögen.“

Trotz anfänglichen Bedenken hat ihr auch das erste Lehrjahr im Stadtzürcher Altersheim Wolfswinkel gefallen: „Interessant waren die Erzählungen, zu hören, wie die Leute früher gelebt haben. Die dementen Bewohnerinnen und Bewohner haben aber auch immer wieder dasselbe erzählt.“ Deborah Oertli hätte gerne mit den alten Menschen Spaziergänge oder andere Aktivitäten unternommen: „Dafür blieb neben der Pflege leider kaum Zeit.“  

Nach der Lehre würde sie am liebsten wieder mit Behinderten arbeiten. Interessieren würde sie auch die Weiterbildung zur Arbeitsagogin, was ein weiteres Schaffen in Werkstätten beinhalten würde. Und vorstellen könnte sie sich auch, in einem Kinderheim zu arbeiten. Irgendwann würde sie gerne für einen Sprachaufenthalt ins Ausland, am liebsten nach Australien: „Obwohl mir Sprachen eigentlich weniger liegen“, fügt sie lachend hinzu.

 

OdA-S-ZH  |  Organisation der Arbeitswelt Soziales Zürich