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Fachrichtung Behindertenbereich: Romy Grimm

„Eine Arbeit im Büro könnte ich mir nicht vorstellen“, sagt Romy Grimm. Die 20-Jährige betreut in der Stiftung Schulheim in Dielsdorf  eine Wohngruppe von sechs behinderten Erwachsenen. Die zwei Frauen und vier Männer kennt sie schon seit dreieinhalb Jahren, seit sie ein einjähriges Praktikum angefangen hatte. Ein erstes Praktikum hatte sie bereits in einem Alters- und Pflegeheim absolviert. „In die Wohngruppe wurde ich eingeteilt“, erzählt Romy Grimm. Als ihr am ersten Arbeitstag ein Behinderter im Rollstuhl entgegen kam, der sich selber schlug, sei sie schon etwas erschrocken. Aber nach zwei, drei Tagen habe ihr der Umgang mit den Behinderten sogar gut gefallen. „Die Körperfehlstellungen können einem am Anfang Angst machen. Man weiss nicht recht, wie damit umgehen. Ich habe einfach geschaut, wie sich die Mitarbeitenden verhalten“, erinnert sich Romy Grimm. Mit der Zeit habe sie die einzelnen Menschen auch gerne bekommen, dann falle der Umgang natürlich noch leichter. Man könne Behinderte auch fördern, hin und wieder stellten sich dann auch Erfolgserlebnisse ein: „Eine schwer behinderte Frau, der ich mich in der Gruppe besonders annehme, hat nach rund drei Jahren gelernt, den Löffel selber in die Hand zu nehmen.“ Diese Herausforderung gefällt Romy Grimm besonders. Freude hat sie auch an der Pflege, am morgendlichen Duschen und Anziehen. Ursprünglich wollte sie Krankenschwester werden, und hatte deshalb im Kantonsspital Winterthur kurz geschnuppert. Heute ist ihr aber klar: Die Arbeit in der kleinen Gruppe, in der auch die Beziehung eine wichtige Rolle spielt, entspricht ihr mehr.
Neben den alltäglichen Aktivitäten wie Kochen, Tischdecken und Abwaschen, bei denen jedes Gruppenmitglied ein eigenes „Ämtli“ hat, werden das Jahr über auch viele Ausflüge unternommen: „Das Highlight ist jeweils ein Besuch im Thermalbad Schinznach, das lieben alle.“  Natürlich gäbe es auch schwierige Situationen. Beispielsweise wenn ein Gruppenmitglied aggressiv und laut sei und andere provoziere. Da wisse sie manchmal kaum, wie helfen, erzählt Romy Grimm. Im Nachbardorf Oberglatt hat sie ein WG-Zimmer gemietet. Wenn sie frei hat, fährt sie aber zu ihren Eltern nach Winterthur. Ab nächstem Sommer wird sie in der Stiftung Schulheim im Rahmen einer festen Stelle für ein weiteres Jahr bleiben können. Danach würde sie gerne mit weniger stark Behinderten arbeiten, interessieren würde sie auch die Ausbildung zur Sozialpädagogin.
 „Oh, ich könnte das nicht“, meinen viele, denen sie von ihrer Arbeit erzähle. „Das sagt man nur, wenn man sie nicht kennt“, meint Romy Grimm: „Man müsste Behinderte in unserer Gesellschaft noch besser integrieren. Wir haben es manchmal beispielsweise richtig lustig. Ein Bewohner sagte im Streit mal zu einer Mitbewohnerin: ‚Es gibt auch Kühe, die man melken kann.’ Seine verklausulierte Ausdrucksweise hat uns sehr amüsiert.“

OdA-S-ZH  |  Organisation der Arbeitswelt Soziales Zürich